Nicht-Dualität – Dogen Zenji trifft Michel Henry

Heute meine Rezension zum Buch der Philosophin Ellen Wilmes, dass ich sehr empfehle:

Ellen Wilmes
Nicht-Dualität – Dôgen Zenji trifft Michel Henry

Verlag Traugott Bautz
Nordhausen 2018
ISBN 978-3-95948-352-0
412 Seiten, broschiert

Euro 45,00

Dualität ist reine Kopfsache, Vorstellung. Nicht-Dualität ist das Leben, die aktive Handlung. In Ihrer Überzeugung der Nicht-Dualität lässt Ellen Wilmes hauptsächlich zwei ungleiche und doch in gewisser Weise geistverwandte Persönlichkeiten sich begegnen: den ZEN-Meister Dôgen Zenji (1200-1253) und den französischen Philosophen Michel Henry (1922-2002) . Zwischen beiden liegt der Weltengang von gut 750 Jahren.

Mit nachvollziehbaren Beispielen aus dem Lebensalltag, wird der Leser an die Thematik herangeführt. Sie zeigen auf und geben Einblick, wie selbstverständlich Dualität „funktioniert“ und wie es möglich ist, in diesem Prozess zu einer anderen Sichtweise zu gelangen. Für die Autorin steht das vor allem im Zusammenhang mit der Phänomenologie des Lebens und damit, wie wir Handlungen definieren, wie Menschen mit ihrer Geistigkeit und Körperlichkeit umgehen und sich durch Begrifflichkeiten beeinflussen lassen.

Schwerpunkt des ersten Teils des Buches sind die Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen, die sich aus dem einfachen TUN ergeben können. Ellen Wilmes zeigt beispielsweise auf, welche Möglichkeiten sich aus einer veränderten Sicht auf die Realität ergeben, aber auch wie der von ihr geprägte Begriff der KörperGeistung – bei vorbehaltloser Akzeptanz – umfassend und nachhaltig in den eigenen Entwicklungsprozess eingebracht werden kann. Dabei lädt die Autorin immer wieder zu einem veränderten Blick auf einfache Alltagshandlungen ein. Ihr geht es darum, dass wir unsere Verhaltensmöglichkeiten nicht mehr kausal und differenziert betrachten, sondern als Einheit.

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Auseinandersetzung mit der Rolle unseres Selbst. Ellen Wilmes zeigt sehr anschaulich auf, dass Übergänge, z. B. vom Denken zum Tun nur „gemacht“ sind. Sie legt den Fokus vor allem darauf, zu einer Überwindung dieses Trennungsmodells zwischen Körper und Geist zu kommen. Dabei geht es um die aktive Gestaltung dieses Prozesses aus einer bestimmten Haltung heraus, die sich z. B. in der Wahrnehmung und damit der Abfolge des eigenen Handelns ausdrückt.

Das Buch schließt mit einem fiktiven Gespräch zwischen Dôgen Zenji, Michel Henry und Werner Heisenberg. In dieser wechselseitigen Aussprache über Wahrheit, Quantenphysik und RaumZeit wird klar, dass die Fragen an das Leben über Jahrhunderte gleich geblieben sind.

Fazit
Ellen Wilmes’ Buch ist ein Arbeitsbuch. Sie lässt ein Paradoxon entstehen, dass sie sehr treffend KörperGeistung nennt. Menschen, die sich auf diese un-geteilten Ansichten einlassen, werden Begrifflichkeiten wie Wahrnehmung und Zeit fortan in einem anderen Bezug zum eigenen Handeln sehen. Nicht-Dualität reformiert. In diesem Sinne geht es in Wilmes‘ Buch tatsächlich darum, bereits einnehmbare Perspektiven neu zu entdecken und zu leben.

Hier geht es zu einer Leseprobe des Verlages: http://home.bautz.de/neuerscheinungen-2018/pdf/9783959483520.pdf

Hier geht es zur Homepage der Autorin: https://www.co-philosophie.de/

Zen in der Kunst, den Menschen zu heilen

Heute möchte ich auf das Buch „Zen in der Kunst, den Menschen zu heilen“ von Manfred Kremer hinweisen. Manfred Kremer erzählt von einer Suche, die mit intensiven Erfahrungen einhergeht. Eindrucksvoll schildert er eigene Erlebnisse mit den bedeutenden spirituellen Techniken, die ihm auf seinem Weg begegnen. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Innere seiner eigenen und der menschlichen Seele.

Das Buch liest sich wie ein Reiseführer nach innen und gibt Impulse, die immer wieder ein neues Licht auf alte Fragen werfen. Die besondere Qualität seiner Worte ergibt sich aus der Authentizität, mit der er seine eigenen Erfahrungen darstellt. Alle vorgestellten Komponenten zur Heilung hat Manfred Kremer selbst erlebt und sich den Erfahrungen des Lernenden unterzogen.

Wer die Waage zwischen Altruismus und Egoismus sucht und sein eigenes Leben um die Dimension der Sinnhaftigkeit erweitern will, dem sei dieses Buch empfohlen.

Photo by Johannes Plenio

http://www.zen-und-heilung.de/buchprojekt/

 

 

 

 

Wir haben die Pflicht, uns nicht zu beeilen

Ich erinnere mich eines Morgens, an dem ich auf einem Baume eine Schmetterlingspuppe entdeckt hatte. Der Schmetterling hatte gerade die Hülle gesprengt und schickte sich an, auszuschlüpfen. Ich wartete lang, ungeduldig, denn ich hatte es eilig. Ich hauchte den Schmitterling an, und das Wunder begann sich vor meinen Augen in einem rascheren Ablauf als natürlich zu entfalten: Die Hülle öffnete sich ganz, der Schmetterling kroch heraus. Aber nie werde ich mein Entsetzen vergessen; seine Flügel ware noch gekrümmt und zerknittert. Der kleine Körper zitterte und versuchte sie zu spannen, aber es war unmöglich. Auch ich versuchte, ihm mit meinem Atem zu helfen, doch umsonst. Ein allmähliches Reifen war nötig, die Flügel hätten sich langsam in der Sonne entfalten müssen, jetzt war es zu spät. Mein Atem hatte den Schmetterling gezwungen, zu früh auszukriechen, ein Siebenmonatskind. Er zappelte verzweifelt und starb nach einigen Sekunden auf meiner flachen Hand.
Diese kleine Leiche, glaube ich, ist die schwerste Last, die mein Gewissen bedrückt. Heute begreife ich erst richtig, dass es eine Todsünde ist, die ewigen Gesetze zu vergewaltigen. Wir haben die Pflicht, uns nicht zu beeilen, nicht ungeduldig zu werden und dem ewigen Rythmus der Natur mit Vertrauen zu folgen:
Ich setze mich auf einen Stein, um mich in aller Ruhe mit diesem Neujahrsgedanken vertraut zu machen. Ach! sagte ich mir, käme doch mein Leben im neuen Jahre ohne diese hysterische Ungeduld aus! Könnte doch dieser kleine Schmetterling, den ich in meiner Eile und Ungeduld umbrachte, immer vor mir herflattern, um mir den richtigen Weg zu zeigen!

Aus: “Sorbas” von Niko Kazantzakis
Photo by Volker Schnäbele on Unsplash

Winterzeit

Der Winter ist vor allem Einkehrzeit, bei sich selbst. Draußen verzaubern Schneeflocken die Landschaft, machen die Welt weißer, aber auch leiser. Glücklich, wer begonnen hat mit offenen Augen zu träumen. Nicht viele unserer Träume werden wahr. Doch kein Leben ist so arm, dass es nicht für kurze Momente ein Glücksstrahl gestreift hätte – und keines so reich, dass nicht auch Trauer und Tränen sich einstellten.

Wir denken an die vielen Wege, die wir im Leben bereits gegangen sind: die, die voll waren mit Hindernissen und die einfachen, die trostlosen wie die sonnenbeschienenen, die Irrgärten und geraden Wege, gewanderte mit leichtem Gepäck oder schwer beladen, barfuß oder mit festem Schuhwerk, begleitet von Meeresrauschen, Düften, Aussichten und Zielen. Alle diese Wege sind wir gegangen; frei oder vorausbestimmt? Dies lässt sich nur beantworten, wenn wir die am Wege befindlichen Zeichen deuten. Was uns tatsächlich geführt, das erkennen wir sicher erst am Ende unserer Reise.

Sommerzeit

Es ist warm geworden und so sitze ich am späten Samstagmorgen bei endlich sommerlichem Temperaturen im Garten und schreibe an meinem Laptop einen neuen Artikel. Plötzlich entdecke ich etwa zwei Meter vor mir eine Schnecke durchs Gras kriechen. Ich nehme mir Zeit diese Schnecke zu beobachten.
Es ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens: die Muße!

Zeit lässt sich nicht aufhalten. Dieser quantitative Verlauf ist nur ein Aspekt.
Zeit ist Leben, und deshalb ebenso wichtig ist die Zeitqualität.
Wie kann ich gute und schlechte Zeiten unterscheiden? Eigentlich ist es ganz einfach: Die schlechten Zeiten sind dafür da, um daraus zu lernen. Und die guten? Die zeigen uns, wie sich das Leben revanchiert, wenn wir etwas richtig gemacht haben.

 

Die Kraft der Ermutigung

Immer wieder gibt es Situationen in unserem Leben, in denen wir glauben, unsere Kraft reiche nicht aus, um das uns Auferlegte zu ertragen. Genau dann benötigen wir menschliche Nähe, die uns Mut macht und Hoffnung in uns weckt.

Was wir am nötigsten brauchen, sind Menschen, die uns ermutigen, das zu tun, was wirklich in uns steckt.

(Epitik, ca.100 n.Chr.)

Der Mensch braucht Mut, um zu hoffen, um an sich zu glauben, um geduldig und tapfer zu sein. Ganz gleich, ob es eine kleine Ermutigung, ein „Du schaffst das!“, ein Schulterklopfen, ein „Kopf hoch“ ist. Wir machen unserem Mitmenschen Mut, und geben ihm den Hinweis, dass viel mehr in ihm steckt, das erreichbar ist, als er im jetzigen Moment glaubt.

Wir sollten uns unserer Rolle als Mutmacher viel öfter bewusst werden.

Gedanken zum Jahresanfang 2016

Das Jahr 2016 liegt vor uns, wie ein Buch mit leeren Seiten. So wie wir bei einem Buch nur eine Seite nacheinander lesen können, so können wir unser Leben nur Tag für Tag, Stunde um Stunde nacheinander leben.

Immer am Jahresanfang nehmen wir uns viel vor, was wir glauben besser machen zu müssen. Und gerade am Jahresanfang hat für mich der folgende Sanskritspruch eine wichtige Bedeutung:

Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben –
das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit
und Wahrheit des Daseins.

Die Wonne des Wachsens – die Größe der Tat –
die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch – recht gelebt –
macht jedes Gestern zu einem Traum voller Freude
und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.

Darum achte gut auf diesen Tag!

Wir selbst bestimmen unser eigenes Leben. Kein Tag gleicht dem anderen. Jeder Sonnenaufgang ist anders, jeder Vogel singt jeden Tag anders. Wir begegnen unbekannten Menschen und auch alte Bekannte sind heute nicht mehr dieselben, die sie gestern waren.

Sind wir bereit unser noch leeres Jahrbuch mit neuen und glücklichen Erlebnisse zu füllen?

Gedanken zur Adventszeit

Wir hatten zu Hause immer einen Adventskalender. Es war ein schlichtes Exemplar aus Papier, ohne Schokoladenfüllung oder ähnlichem. Er hing hinter der Wohnzimmertüre. Meist zeigte er eine Mondnachtszene, 23 kleine , versteckte Türchen und ein großes waren in einer verschneiten Landschaft verborgen, mit viel Silberglitzer, der wie Schnee vom Himmel fiel. Vorsichtig öffnete ich morgens ein Türchen nach dem anderen. Zuvor versuchte ich zu erraten, was denn heute für ein Bildchen zum Vorschein kommen würde. Und mit jedem Bildchen wuchs die Vorfreude auf den Heiligabend.

Auch als Erwachsene können wir einem solchen Ritual noch eine große Bedeutung zumessen. Jedem Tag etwas Positives abgewinnen, sich jeden Tag über eine Kleinigkeit freuen, jeden Tag im Kopf ein kleines Fensterchen öffnen und etwas Licht herein lassen, jeden Tag eine Kerze anzünden, jeden Tag einen Moment innehalten und eine stille Minute genießen.

Eine schöne Adventszeit!

Vom Loslassen

Wo von Lebenserfolg die Rede ist, rät man oft in überzeugender Weise zum Ergreifen, Zupacken und Festhalten. Wie so manches, ist auch dieser Ratschlag eine typische Halbwahrheit. Ablösen, loslassen und freigeben wäre die andere Seite.
Wenn der Sämann die Saat nicht aus der Hand gibt und diese nicht loslässt, wird sie niemals in der Erde keimen, um Frucht zu tragen.

Auch unsere Wunsch- und Erfolgsgedanken sollten wir loslassen, indem wir sie dem Unbewussten anvertrauen und dann zuversichtlich darauf warten, dass sie sich verwirklichen. Erfüllt sich unsere Erwartung aber nicht, dann lassen wir sie am besten los und trauern wir nicht unerfüllbaren Wunschvorstellungen nach.

Der Philosoph Erich Fromm versteht unter diesem Loslassen, dass man seine Habgier abstreift, nicht unablässig der Erhaltung und Mehrung des Ichs nachjagt, dass man ist, und sich selbst im Sein und nicht nur im Haben, Begehren, Benützen erlebt.

Von der Überwindung der Zeit

Im Menschen scheint es eine Sehnsucht nach der Überwindung der Zeit zu geben. Die Zeit ist aber keine endlos weitergehende Linie. Wäre es nicht entsetzlich, wenn die Zeit so etwas wie ein endloser Faden wäre, den wir nur abwickeln würden, wie einen Wollknäuel?

Wie oft passiert, dass uns unverhofft eine Stunde Zeit geschenkt wird? Oder wir haben wieder einmal den Eindruck, dass die Zeit einfach stehen geblieben ist.

Vielleicht wird Zeit ja irgendwo gesammelt und verwahrt, gut aufgehoben und gerettet?

Keine für uns wichtige Zeit geht einfach so vorüber. Sie hinterlässt Zeichen. Wenn etwas auf Sie zukommt, lassen Sie es kommen, versuchen Sie es zu leben, lassen Sie es weiterfließen, weil es nicht völlig verloren gehen kann.